Das Spagetti-Prinzip

Wenn wir uns einen Teller mit Spagetti anschauen, woran denken wir dann?
Sollten wir Hunger haben, so werden wir sicher an die Befriedigung dieses Bedürfnisses denken, doch nehmen wir einmal an, wir seien satt. Schauen wir genau hin: Ein großer Haufen Spagetti auf einem Teller, und darauf befindet sich dann noch Soße. Denken wir uns die Soße weg, so können wir auf den ersten Blick auch nicht mehr erkennen.
Wodran liegt das? Ganz einfach - es herrscht ein heilloses Durcheinander! Nicht eine Nudel liegt so wie die andere, ja teilweise können wir nicht einmal sagen, wo eine Nudel anfängt, und wo sie aufhört. Denken wir uns jetzt die Soße wieder dazu, so wird es nur noch schlimmer. Die einzelne Nudel verliert sich im Haufen der anderen.

Und genau hier kommen wir zu der großen Parallele. Denn es gibt bei Spagettis doch Parallelen, nur halt nicht untereinander! Doch es gibt eine weltweite Organisation, die sich das Prinzip der Spagettis angeeignet hat, und dies nicht von ungefähr, kommen die Spagettis doch aus ihrem Heimatland. Richtig, von der Mafia ist die Rede. Auch wenn man die Mafia betrachtet, weiß man nicht wo man anfangen soll, es bietet sich dem Auge einfach kein Angriffspunkt. Und nicht nur dem Auge, denn wenn die Polizei versucht etwas gegen diese Organisation zu unternehmen, so bietet sich auch hier kein Angriffspunkt, genau wie auf einem Teller mit Spagetti, denn wenn man die einzelne Nudel nicht differenzieren kann dreht man sich mit der Gabel fast immer viel zu viele auf. Ein genial einfaches Prinzip also, der Einzelne taucht in der Masse der anderen unter und verwischt seine Spuren. Und das, ohne daß er wirklich untertauchen muß!

Wie entstand dieses einfache, aber trotzdem komplexe System? Nun, dort, wo wir auch die Spagetti finden - in der Küche! Einst trafen sich die Oberen der Organisation wöchentlich zu einem Essen, das jeweils einer von ihnen zubereitete. Und da keineswegs alle dieser Meisterköche aus Sizilien kamen, gab es eine bunte Küche quer durch Europa. Neben Sauerbraten mit Rotkraut und Klößen (die Beschaffung des Rotkohls bereitete einige Schwierigkeiten), Paella Tarragones, Saltimboca a la Romana, Coque au Vin, gab es auch eines Tages Pate supreme, und das supreme an dieser Pate war ihr Arsengehalt.

Und von da an gab es nur noch einen dieser Oberen der Organisation, der die gesamten Geschäfte übernahm, und nach dem Gericht, daß ihm seine Position verschafft hatte Pate genannt wurde (der Akzent fiel aufgrund der italienischen Sprache weg). Nach Annahme der italienischen Statsbürgerschaft und Einheirat in eine der bedeutendsten Familien Siziliens war seine Position auch gesichert.

Einers seiner größten Probleme bei der Leitung der Organisation war allerdings die hohe Fluktuation seiner Belegschaft in Richtung Gefängnis.

Eines Tages in der Küche kam ihm deshalb beim Betrachten der Spagettischüssel der entscheidende Gedanke. Die Organisation muß einfach so weit wachsen, daß die Einzelnen nicht mehr untertauchen müssen, weil eh fast jeder dazugehört. Dann fällt auch das Untertauchen weg, da man an der Oberfläche bleiben kann, ohne einen Angriffspunkt zu bieten. Erst seit der Verbreitung der Spagettis über die Grenzen Italiens und damit der Notwendigkeit zur Benutzung eines Löffels beim Spagettiessen (Nicht-Italiener beherrschen die Kunst des Spagetti-Essens ohne Löffel höchst selten), bietet sich eine neue Möglichkeit, indem man den Löffel zum Zerteilen benutzt, sofern die aufgenommene Spagettimenge das bewältigbare Maß überschreitet.

Und genau dies bereitet auch der Mafia außerhalb von Italien die Probleme, da das Spagetti-Prinzip nur beim inländischen Einsatz den vollen Schutz bietet. Außerhalb von Italien wird das Verhältnis von Nicht-Löffelbenutzern zu Löffelbenutzern mit steigender Entfernung von Italien immer weiter stieg. Und somit sank außerhalb Italiens auch die Wirkung des Spagetti-Prinzips, weshalb heutzutage auch viele Italienische Polizisten stets einen Löffel mit sich tragen.