Der Potosi-Wüstenfisch, Cyprinodon alvarezi MILLER 1976

Als ich in meinen Aquarianer-Anfangstagen mich mit den ersten Killifischen beschäftigte, fiel mir in dem kleinen Lehrmeister Buch, aus dem ich mein Wissen bezog der "Stahlblaue Wüstenfisch" (Cyprinodon macularius) auf. Es war einer der Fische, an die ich das "Wunschkreuz" machte, doch nie bekam ich welche zu Gesicht. Auch nachdem ich meine ersten Zuchterfolge mit Nothobranchius und Cynolebias hinter mir hatte und nun gezielt bei einem Händler der einige Züchter kannte anfragte waren keine Wüstenfische zu bekommen.

Gute 15 Jahre später, Anfang 98 hatten wir für einen Vortrag den in Killianer-Kreisen allseits bekannten Karl Steinkühler zu Gast und ich fragte ihn beiläufig nach Wüstenfischen, wobei er sagte, daß gerade jemand aus seinem Bekanntenkreis welche bekommen habe.

Sechs Monate später machten wir auf einem "Vorstandsausflug" zum Garnelenfangen vorher einen Zwischenstop in Steinkühlers Zuchtkeller, und siehe da, dort schwammen auch Wüstenfische. Es handelte sich um den in der Natur inzwischen vermutlich ausgestorbenen "Potosi-Wüstenfisch" C. alvarezi.

Er fing mir zwei Paare aus seinem Zuchtbecken. Zuhause bezogen sie zunächst ein 12 L Becken mit einer feinen Schicht Quarzsand und einem riesigen Busch Javamoos. Das Wasser war eine Mixtur aus Göttinger (weich) und Moringer (steinhart) Leitungswasser, versetzt mit einem Eßlöffel Seesalz.

Die Tiere sind ungestüme Schwimmer und gierige Fresser, so daß sie bald ein 35 L Becken bezogen, in dem durch geschichtete Steine und eine zerklüftete Wurzel auch immer genügend Verstecke für arg bedrängte Weibchen oder das unterlegene Männchen vorhanden waren. Dies Becken wurde gefiltert über einen Kunststoffinenfilter in dessen nach oben strebenden Luftblasen die Tiere gerne "baden".

Das Futter besteht aus gefrorenen roten Mückenlarven und gemischtem Lebendfutter, wobei nur für den Laichansatz isolierte Weibchen weiße Mückenlarven "bis zum Abwinken" bekommen, wenn die Tiere zusammen gehalten werden sind es überwiegend Wasserflöhe und Cyclops. Wen sie sehr hungrig sind fressen sie auch Flockenfutter, aber dies bekommen sie nur, wenn es unvermeidlich ist. In der Natur fressen alle Wüstenfischarten zu einem großen Teil Algen, so daß man ihnen diese auch im Aquarium bieten muß, um eine volle Ausfärbung zu erreichen.

Vor einem Zuchtansatz isoliere ich die Geschlechter für mindestens zwei, besser vier Tage und füttere vor allem die Weibchen besonders kräftig. Zur Zucht kommt dann eines der Männchen zu den beiden Weibchen in das 12 L Becken wo es nach wenigen Minuten heftigst zu balzen beginnt. Dabei ist ihm das Laichsubstrat zu Beginn vollkommen egal, so daß auch Eier "in den Sand gesetzt werden". Die meisten Eier werden dann aber schon im Javamoos abgelegt, von wo ich sie nach zwei oder drei Stunden absammele. Länger darf man nicht warten, da die Tiere ihrem Laich sehr stark nachstellen. Die Eier sind glasklar und ca. 1 mm groß, so daß sie im Javamoos meist auffallen, manche Eier finde ich aber auch eher durch Zufall an meinen Fingern klebend.

Nachdem ich beim ersten Mal sehr viele Eier durch Verpilzung verlor und auch beim zweiten Ansatz mit zusätzlichem Salz keine bessere Schlupfrate erzielte, gebe ich seit dem dritten Ansatz immer etwas Acriflavin (Cilex) ins Wasser. Seitdem verpilzen kaum noch Eier, allerdings ist die Schlupfrate immer noch nicht zufriedenstellend, da meist weniger als die Hälfte der Eier eine Entwicklung aufweist. Die unentwickelten Eier hebe ich zur Zeit noch auf um sie evtl. mit einem Trockenstadium zu einer Entwicklung bringen zu können. Schon HÜSER weist darauf hin, daß C. macularius in der Natur in den heißen wasserarmen Sommermonaten nur als Eier im Schlamm überdauern und erst im regenreichen Herbst die Biotope wieder als Fische bevölkern.

Die nach ca. 7-10 Tagen schlüpfenden Larven nehmen ab dem zweiten Tag Futter an, wobei ich frischgeschlüpfte Artemien gebe. Das Wachstum ist in den ersten Tagen träge, ab der zweiten Woche kann man den Tieren aber beim Wachsen fast zuschauen. Nach der Literatur sind die Tiere bereits mit gut vier Monaten geschlechtsreif, aber erst nach ca. einem Jahr voll ausgewachsen. In der ersten Phase der Aufzucht glaubt man zwar noch an einen Mißerfolg, da die Tiere ein Schwimmverhalten wie Bauchrutscher zeigen, aber wenn man aus den Zuchtberichten weiß, das dies normal ist, wartet man auf die Umstellung zur normalen Schwimmweise, die anfänglich nur probiert wird, aber ab einer Länge von ca. 1 cm beibehalten wird.

Da die Tiere eine sehr hohe Temperaturtoleranz aufweisen und von 5 bis 40 Grad haltbar sind, kann man sie im Sommer auch problemlos in kleinen Gartenteichen oder Terrassenaquarien halten. Wichtig ist nur bei höheren Temperaturen auf eine ausreichende Sauerstoffversorgung zu achten, denn die schwimfreudigen Tiere haben einen hohen Sauerstoffbedarf. Ist zu wenig Sauerstoff vorhanden, so ruhen sich die Tiere nach einer Phase aktiven Schwimmens erst einmal am Boden aus. Auch bei geringen Temperaturen habe ich meine Becken immer mit einer schwachen Durchlüftung versehen.

Literatur: