Dermogenys pusillus van Hasselt (1823), der siamesische Kampfhalbschnäbler

Das Kampffische in Asien zu Fischkämpfen gezüchtet werden ist hinlänglich bekannt, das aber auch Halbschnabelhechte der Gattung Dermogenys dazu verwendet werden ist vielen unbekannt. Diese Fische sind für die Aquarienhaltung hinsichtlich ihrer Farbe eher unattraktiv, aber die Körperform macht hier manches wett. Die Tiere zeigen eine oliv-grau-silberne Färbung mit transparenten Flossen, bei den Männchen sind die unpaaren Flossen am Ansatz leicht bis mäßig rot gefärbt, die Weibchen zeigen nur in Ausnahmefällen eine rote Fleckung in der Rücken- und Afterflosse.
Der Körper ist langgestreckt, was durch das langgezogene Maul mit einem doppelt so langen Unter- wie Oberkiefer noch betont wird. Bei den Männchen kann hier die Kehlhaut auch leicht bis kräftig rot gefärbt sein. Im männlichen Geschlecht werden die Tiere ca. 5 cm und im weiblichen Geschlecht bis ca. 8 cm lang.

Die Tiere sind mit ihrer Körperform stark an ein Leben an der Wasseroberfläche angepasst. So besteht die natürliche Nahrung auch überwiegend aus Insekten (vor allem Ameisen), die von der Wasseroberfläche gefischt werden. Bei FREY findet man auch den Hinweis auf pflanzliche Nahrung wie Algen, dies kann ich nach meinen Erfahrungen jedoch nicht bestätigen.

Die natürlichen Habitate der Art sind sehr weit verbreitet, und reichen von Burma, Thailand und Kambodscha über Malaysia und Sumatra bis nach Celebes, Borneo und den Philippinen. Hier bewohnen die Tiere meist kleinere Fliessgewässer, die oft auch in Kontakt zum Meer stehen, und daher salzhaltig sind. Dies läßt den Schluß zu, daß eine Vielzahl verschiedener Wasserbedingungen für die Haltung möglich sind. In der Literatur findet man Werte von pH 7,1 bis 8 bei geringster oder geringer Härte (dGH 1-5) und Temperaturen um 30 Grad.
Die Salzgehalte können schwanken, es wird sogar vermutet, daß sich manche Populationen über das Meer verbreitet haben.
Auch an die Wasserreinheit stellen die Tiere in der Natur nur untergeordnete Ansprüche, sie kommen auch bis in Abwässergräben vor!

Für das Aquarium stellen die Tiere also keine allzugroßen Ansprüche, nur zu sauer sollte das Wasser nicht sein. Als Haltungsempfehlung findet man meist Wasserwerte ab dem mittleren Härtebereich, wenn man die natürlichen Werte betrachtet ist dies aber nicht nachzuvollziehen. Als Temperatur sind 22 Grad ausreichend, wobei sie auch bis 28 Grad ansteigen kann.

Auch wenn man bei den im Handel angebotenen Tieren manchmal denken mag, daß sie kurz vor dem Verhungern stehen, kann man den Kauf ruhig wagen. Gerade ein paar Stunden eingewöhnt nehmen sie dann meist schon gierig Trocken-, Frost- oder Lebendfutter. Welche Mengen sie dabei verdrücken ist gewaltig, und so bekommt man schnell ausgewachsene wohlgenährte Halbschnäbler. Manchmal übernehmen sie sich dabei allerdings, so daß ich mein größtes Weibchen verlor, da es sich schlichtweg an roten Mückenlarven überfressen hatte.
An die Futterauswahl stellten meine Tiere keine Ansprüche, man sollte aber immer auf eine ausgewogene Ernährung achten, wenn man Nachkommen haben möchte. Gerade Dermogenys pusillus ist hierbei anspruchsvoll, wenn der Vitamin- und Fetthaushalt nicht stimmt. Wenn man nicht für ausreichende Mengen an vitaminisierten Insekten sorgen kann, sollen hier auch Jungfische bzw. Fischlaich helfen.

Bei der Vermehrung ist anzumerken, daß bei allen Arten von lebendgebärenden Halbschnäblern, zu denen auch D. pusillus zählt, eine innere Befruchtung stattfindet. Dafür besitzt das Männchen an seiner Afterflosse eine Umbildung der ersten Flossenstrahlen, mit denen er sich kurzfristig in der Geschlechtsöffnung des Weibchens verankern kann.
Nach der Befruchtung entwickeln sich die Eier im Muttertier und die Jungen (bis zu 165!!) werden nach einer Tragzeit von ca. 5 Wochen mit einer Größe von ca. 10-12 mm geboren.
Bei besonders großen Würfen kommt es unter Umständen, wie auch bei den Verwandten der Gattung Nomorhamphus, zum Verlust eines Teiles des Wurfes, durch Mißbildungen oder nicht vollständige Entwicklung.
Bei dem Kampfhalbschnäbler kommt es auch, wie bei den Lebendgebärenden Mittel- und Südamerikas, zu einer Vorratsbefruchtung, die bis zu sechs Würfe umfassen kann.

Zum Schluß bliebe nur noch bemerkt, daß die Tiere in Becken mit nicht zu kleiner Oberfläche gehalten werden sollten. Auch sollten sich nur wenige, dafür aber dichte Pflanzen an der Oberfläche befinden, damit ausreichend freier Schwimmraum vorhanden ist. Die innerartliche Aggression ist ziemlich ausgeprägt, wobei nach meiner Beobachtung die Weibchen aggressiver sind, als die Männchen. Dies mag verwundern, wo doch in Südostasien die Männchen zu Fischkämpfen verwendet werden. Die Aggressivität der Weibchen richtet sich aber, nach dem Abstecken des Reviers, vor allem dem Fernhalten zudringlicher Männchen, und das würde in den beengten "Kampfarenen" nicht so lange anhalten, wie der Hierarchiekampf der Männchen...
Während in der Literatur von dem ständigen Vertreiben der werbenden Männchen nichts berichtet wird, sind meine Weibchen ziemlich damit beschäftigt, ihre Verehrer zu attackieren, wie ich es auch von den Nomorhamphus her kenne. Aufgrund der beschriebenen Aggressivität muß das Becken unbedingt gut abgedeckt werden. Meine ersten beiden Männchen wurden vom dominanten Weibchen schlichtweg "des Platzes verwiesen" und somit ein Opfer der Fußbodenheizung.



Literatur: