Der Hechtsalmler Ctenolucius h. hujeto (Valenciennes, 1849)

Als ich Mitte 1985 diesen Fisch das erste mal lebend sah, war ich sofort von seiner langgestreckten Form und seinem großen Maul eingenommen. Als Liebhaber von Besonderheiten und Raubfischen konnte ich mich trotzdem nicht sofort zum Kauf des angebotenen Trios (2,1) entschließen, da ich zuerst etwas Literatur wälzen wollte. Nach der Lektüre war ich zwar so weit informiert, daß mir die Haltung keine Probleme mehr bereiten würde, aber der Preis von fast DM 30.-- pro Stück ließ mich nur resignierend vor dem Becken hocken.

Die Färbung dieser Art ist beim erwachsenen Fisch ein einfaches silbergrau mit einem olivgelben Anflug und einem schwarzen Augenfleck in der Mitte des Schwanzflossenansatzes. Der erste Flossenstrahl aller Flossen ist beim Männchen meist weißlich beim Weibchen mit Ausnahme der Rückenflosse ebenfalls. Die Fische bestechen aber nicht durch ihre Farbe, sondern durch ihre Form, die stark an den einheimischen Hecht (siehe Name) erinnert, jedoch etwas an die oberflächennahe Lebensweise angepaßt ist.

Mit dieser Lebensweise hängen vermutlich auch die Schnauzenanhängsel zusammen, die man ähnlich ebenfalls bei Celebes-Halbschnäblern (Nomorhamphus) findet. Es sind 1 - 2 mm lange Hautlappen, die sich am Unterkiefer befinden und meist etwas schräg nach oben gerichtet sind. über ihre Funktion ist nichts bekannt, jedoch ist ein Zusammenhang mit dem Lokalisieren der Beute zu vermuten. Das Ende des Oberkiefers ist scheibenförmig, wie man es auch bei Krokodilen sieht. Eine Parallele zu diesen kann man auch in dem häufig leicht geöffneten Maul und den reichlich vorhandenen großen Zähnen finden.

Als Geschlechtsunterschiede kann man die unterschiedliche Endgröße (in der Literatur mit 70 cm sicherlich zu groß angegeben. Mergus), die bei den Männchen 2 - 3 cm geringer ist als bei den etwa 17 cm langen Weibchen und die Afterflosse anführen, die bei den Weibchen glatt und dreieckig ist, bei den Männchen etwas größer als bei den Weibchen und am Vorderrand durch kürzere Flossenstrahlen und nicht durchgewachsene Flossenhäute etwas ausgefranst wirkt.

Die beschriebene Art ist die einzige ihrer Gattung, sie hat jedoch außer der Nominatform aus Venezuela noch zwei Unterarten, und zwar C. h. beani (Fowler, 1907) aus Kolumbien und Panama und C. h. insculptus (Steindachner. 1878) aus Kolumbien. Bei dem Tier, das in Mergus S. 301 u. als C. h. beani abgebildet ist, handelt es sich meiner Meinung nach um ein Jungtier von C. h. hujeto in der Jugendfärbung. Nach dem Schlüpfen tragen die Jungen zunächst drei Qürbinden, die im Laufe des Wachstums miteinander verschmelzen und später in mehrere feine Zick-Zack-Linien übergehen. Meine Jungtiere sahen genau wie das abgebildete Tier aus, wobei sich die Frage nach dem Grund der Aufstellung dieser Unterart stellt.

Als ich mir das Geld dann wortwörtlich vom Munde abgespart hatte waren die Tiere jedoch schon verkauft, was mir jedoch auf Grund der Finanzen nicht zu unangenehm war. Ein dreiviertel Jahr später sah ich dasselbe Trio wieder, nur diesmal bei einem anderen Händler und mit DM 30.-- für alle doch zu einem deutlich erschwinglicheren Preis für einen schmalen Studentenetat. So gab es kein großes Überlegen - ab in den Beutel, wobei ich fast glaube, daß der Händler fast genauso erfreut war wie ich, da er sich nun keine Gedanken mehr um diese gefräßigen Burschen machen mußte.

Bei mir hieß es dann rein in das Becken, das mit 100 L bei 80 cm Kantenlänge zwar für die immerhin 14 bzw. 17cm langen Tiere etwas klein war, aber die drei hatten es auch ganz für sich allein. Trotzdem, oder grade drum lebten sie sich nie so richtig ein und blieben immer etwas scheu und hektisch. So nahmen sie nur nach langem und stillem Verharren vor dem Becken das Futter in Anwesenheit von Beobachtern zu sich. Aber trotz größter Aufmerksamkeit war es nur selten möglich den Fressakt richtig zu sehen, da er äußerst schnell vor sich geht.

Als Futter reichte ich ein bis zwei mal wöchentlich etwa vier Moderlieschen von vier bis sechs Zentimeter Größe, wobei die Männchen stets nur einen, das größere Weibchen aber zwei bis drei Fischlein verschlang. Danach hingen alle drei gemeinsam mit kugelrunden Bäuchen in der strömungsärmsten Ecke unter der Oberfläche und waren heftig am Atmen. Standen einmal keine lebenden Fische zur Verfügung, so versuchte ich es mit roten Mückenlarven, was sich aber als zu teuer erwies (versuchen Sie mal, sich ausschlie▀lich von Erfrischungsstäbchen zu ernähren!). So kam es versorgungsbedingt auch mal zu Hungerpausen von bis zu drei Wochen. Totes Futter nahmen sie bei mir nicht an. Vermutlich war das Becken dafür auch zu verkrautet, da nur zehn Prozent der Oberfläche nicht von Schwimmfarnen bedeckt waren. Außer den Farnen war das Becken noch mit einer Amazonas und etlichen Vallisnerien und Sagittarien bepflanzt.

Dies machte es etwas umständlich den recht auffälligen und in großen Mengen anfallenden Kot zu entfernen, der häufig, wohl durch die beim heftigen Fressakt verschluckte Luft, an der Oberfläche trieb. Abgesunkener Kot war leicht an den halbverdauten und den Resten ganz verdauter Schuppen zu erkennen. Bei 26 - 28 Grad war die Verdauung nach zwei Tagen abgeschlossen.

Der heftige Stoffwechsel der Tiere machte einen häufigen Wasserwechsel erforderlich, der jedoch gelegentlich auch mal ausfiel (wer kennt das nicht...), in der Regel wurden jedoch 20 - 30 L alle zwei Wochen gegen frisches, kaltes oder temperiertes Göttinger Leitungswasser ausgetauscht. Bei dieser recht extensiven Pflege zeigten die Tiere keine Anzeichen von Unwohlsein, jedoch auch keine für besonderes Wohlbefinden.

Dies änderte sich, als ich anläßlich eines Sonderangebotes an Moderlieschen im Dezember statt der üblichen zehn für zwei Wochen gleich 50 erwarb. Da diese aber recht empfindlich bezüglich der Zwischenhälterung waren fütterte ich sooft die Tiere fraßen, so daß besonders das Weibchen an Umfang zunahm. Als ich dann nach den Weihnachtsfeiertagen, an denen ich die Beleuchtung ausgelassen hatte, wieder nach Göttingen kam und in das Becken schaute, traute ich meinen Augen kaum: Die Deckscheibe war übersäht von vertrockneten Eiern und auch in den Pflanzen hingen etliche verpilzte Eier, aber zwischen ihnen schwammen auch einige etwa 5 mm lange Jungfische. Sofort war ein feiner Käscher zur Hand und ca. 200 - 300 Fischlein von ungefähr 5 mm wurden abgefischt und vorrübergehend in einem Behälter von ca. 0,3 L in ein Pelvicachromis-Becken eingehängt.

Aus der Zahl der Eier, die an Deck- und Seitenscheiben hingen, sowie den verpilzten Eiern schloß ich auf eine Eizahl von 1000 - 1500. Bei einem Literaturbericht (Sommer) wurden etwa 2000 Eier von dem Weibchen abgegeben.

Im Laufe der nächsten Tage haben es nochmal 50 Junge geschafft aus den an den Scheiben haftenden Eiern zu schlüpfen und sich in den Pflanzen zu verstecken. Dort fanden sie auch fürs erste genügend Futter so daß sie annehmbar wuchsen, da ich das Herausfangen aufgab. Ab einer Größe von 7 mm jedoch fanden die Eltern kulinarisches Interesse an Ihrem Nachwuchs, so daß die Zahl der im Becken verbliebenen Jungen ständig abnahm. Auch die Zahl der herausgefangenen Jungen nahm ab, da mir zunächst kein Futter zur Verfügung stand. Drei Tage nach dem Herausfangen waren aber die inzwischen gekauften Artemien geschlüpft und wurden auch von den Jungen gierig gefressen.

Als Problem erwies sich nun nur der Platzmangel, da ich einfach kein anderes Gefäß auftreiben konnte. So hieß es also jeweils morgens und abends die Jungen in ein Netz schütten, neues Wasser hinein und wieder zurück. Die 150 Jungtiere, die die Hungerzeit überstanden hatten wuchsen dabei recht schnell heran. Dadurch kam es über kurz oder lang zu einem richtigen Platznotstand, so daß die Pelvicachromis ausquartiert wurden und die Kleinen ein 50 L-Becken bezogen. Das vorher schon beachtliche Wachstum nahm nun noch weiter zu. Aufgrund der kalten Jahreszeit ließ sich kein anderes Futter auftreiben, so daß ich die Tiere bis zu einer Größe von 4-5 cm mit Artemia-Nauplien versorgte.

Der Verbrauch an Artemia-Eiern summierte sich im Laufe der Aufzucht auf ca. 0,3 L. Als ich dann auf die ersten Wasserflöhe zurückgreifen konnte, waren nur noch 50 Jungfische übrig, da sie bei den sich entwickelnden Größenunterschieden und der mangelnden Kraftnahrung gerne auf kleinere Geschwister zur Bereicherung des Speisezettels auswichen. Nach so einer Kraftmahlzeit ging natürlich das Wachstum nur noch schneller, so daß sich Größenunterschiede noch weiter vergrößerten. Ab einer Länge von 4 cm versuchte ich auch das Füttern von Trockenfutter und gefriergetrocknetem und gefrorenem Futter, das auch von den meisten Tieren angenommen wurde. Erwachsene Tiere dieser Nachzucht nahmen später auch Rinderherz als Nahrung.

Als letztes Problem erwies sich die Abgabe der inzwischen in einem 300 L-Becken untergebrachten Halbwüchsigen. Wer mag schon so verfressene Fische? Nun ja. 25 Tiere konnte ich an einen jetzigen Vereinskameraden und einen Händler abgeben und so zumindest die Kosten für die Artemia-Großpackung wieder hereinholen, die anderen 25 fielen jedoch ihren Geschwistern und den Spalten zwischen den Abdeckscheiben zum Opfer, denn das Springen ist eine der lästigen Eigenschaften, sowohl der Jungtische, als auch der Alttiere. Sie sind jedoch nicht zimperlich, was etwa das Aufschlagen auf Teppichboden aus 2 m Höhe oder einen 5-minütigen Aufenthalt dort (bis man den Schrank erst einmal abgerückt hat) angeht. Auch bezüglich der Wasserwerte waren die Tiere nicht anspruchsvoll, ob nitrithaltiges Wasser während der ersten Tage oder frisches, temperiertes Leitungswasser beim bis zu 50%-igen Wasserwechsel im Aufzuchtbecken, sie zeigten nicht mit einer einzigen Flossenspitze ein Zeichen von Unwohlsein.

Für jeden, der eine regelmäßige Versorgung mit Lebendfisch sicherstellen kann und über ein entsprechend großes Becken (meine Empfehlung: ab 120 cm Länge) verfügt ist dieser Fisch eine interessante Abwechslung, die man ohne Probleme mit allen anderen Fischen vergesellschaften kann, sofern sie nicht in ihr Beuteschema passen, bzw. von denen sie nicht selber als "Fischstäbchen" angesehen werden. Für ein Becken mit Diskus, Skalaren oder anderen friedlichen und ruhigen Barschen ist der Hechtsalmler ein empfehlenswerter Fisch der nicht ins Standardsortiment paßt und so die Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Literatur: