Garnelen und Krebse im Süßwasseraquarium

Im Gegensatz zum Meer gibt es im Süßwasser nur wenige Vertreter der zehnfüßigen Krebse (Dekapoden), die zu den Familien Potamonidae und Sesarmidae (Süßwasserkrabben), Astacidae (Flußkrebse) und Atyidae sowie Palaemonidae (Süßwassergarnelen) gehören.
Die Bestimmung der Tiere ist recht schwierig, so daß ich die Namen der Literatur kommentarlos übernehme. Auch bei den von mir bisher gepflegten fünf Arten war ich maximal in der Lage die Gattung zu bestimmen.

Flußkrebse:
Beginnen möchte ich mit den aquaristisch am wenigsten interessanten Vertretern, den Flußkrebsen. Sie werden bis auf Ausnahmen recht groß und vergreifen sich auch mal an kleineren Fischen, so daß eine Haltung im Artenbecken zu empfehlen ist, auch wenn sie regelmäßig erfolgreich mit selbst kleineren Fischen vergesellschaftet werden, es ist halt alles eine Frage der Arten und der Beckengestaltung.

Für ihre Pflege sind genügend Verstecke unerlässlich, denn wie alle Krebse so müssen sie sich gelegentlich häuten und sind anschließend, bis zum Aushärten des neuen Panzers, sehr verletzlich, wobei es auch zu Kannibalismus kommen kann. Auch sollte man versuchen nicht mehrere Männchen im gleichen Becken zu halten. Es mag lange gut gehen, aber irgendwann erwischt einer den anderen kurz nach der Häutung. Für die Beckeneinrichtung sollte neben den Verstecken auch eine Möglichkeit zum Verlassen des Wassers (Vorsicht, Ausbruchsgefahr!) gegeben werden, auch wenn dies selten vorkommt.

Die Temperaturen sollten nicht zu hoch sein (15 bis 28 Grad), da die Tiere meist eine höhere Sauerstoffkonzentration bevorzugen als Fische, als Ausnahme wäre hier der Amerikanische Sumpfkrebs zu nennen, der auch in sauerstoffarmen Gewässern vorkommt. Der pH-Wert ist eher egal, er sollte um den neutralen Bereich schwanken (zu sauer beeinträchtigt er die Stabilität des Panzers) und die Härte sollte sich im mittleren bis hohen Bereich bewegen (10 bis 20 Grad), da das Calzium zum Panzeraufbau benötigt wird. Hier kann man auch mit der Verfütterung von ganzen Fischen oder Kalktabletten nachhelfen.

Und damit wären wir beim Futter. Die Tiere nehmen sehr gerne Futtertabletten, Tubifex oder Frostfutter und verschmähen auch keine toten Fische, wobei sie manchmal auch lebende erbeuten. Oft vergreifen sie sich auch an Pflanzen, manchmal aber nur, um das Becken umzudekorieren. Auch deftige Kost wie Muschelfleisch oder Rinderherz nehmen sie gerne.

Die Zucht ist gut möglich und gelingt meist ohne größere Anstrengungen des Pflegers. Die jungen Krebse sollte man allerdings baldmöglichst von den Elterntieren separieren, da sie von ihnen recht schnell vertilgt werden.

Die am häufigsten angebotene Art ist der aus dem südlichen USA kommende rote Sumpfkrebs (Procambarus clarkii), der oft unter dem Namen "Red Lobster" angeboten wird. Trotz des Names kann dies Tier in der Farbe sehr variabel sein, von rot bis blau, tw. wechselnd, je nachdem, wie lange die letzte Häutung zurückliegt. Er vermehrt sich willig und läßt sich auch mit mittelgroßen Fischen vergesellschaften.
Wer sich für ein Artenbecken entscheidet, kann es auch mit den aus Besatzzuchtbetrieben erhältlichen Krebsen für die Teichwirtschaft (Amerikanischer Flußkrebs, Procambarus affinis) versuchen, die für ungeheizte Becken geeignet sind.

Süßwasserkrabben:
Die nächste Gruppe ist die der Süßwasserkrabben, die zwar kleinen Fischen auch gefährlich werden können, dies geschieht jedoch nur in Ausnahmefällen. Durch die oft auffällig rote Farbe der im Handel angebotenen Tiere sind sie ein wahrer Blickfang im Becken, meist handelt es sich bei den bunten Tieren aber um Brackwasservertreter der Familie Sesarmidae, die nur als adulte Tiere zeitweise oder dauerhaft ins Süßwasser überwechseln. Auch Bezeichnungen wie "Rote Malawikrabbe" dürfen da nicht täuschen. Die Haltung auch dieser Brackwasserbewohner bereitet jedoch keine Schwierigkeiten, es muß ihnen aber unbedingt die Möglichkeit zu einem Landgang gegeben werden, da sie auch in der Natur amphibisch leben. Dabei ist zu beachten, daß das Becken sehr gut abgedeckt sein sollte, damit sie nicht an ungeplanten Stellen den Landgang anfangen und ihn tot auf dem Teppich beenden.

Die Wasserwerte sind relativ die gleichen wie bei den Flußkrebsen, nur werden auch höhere Temperaturen toleriert (22-32 Grad). Ob für die adulten Vertreter der Sesarminae ein Salzzusatz lebensverlängernd wirkt ist nicht bekannt, sie haben aber oft eine Lebenserwartung von nur ca. 12 Monaten.

Als Futter wird die gleiche Diät wie bei Flußkrebsen akzeptiert, wenn auch ein stärkerer Hang zur pflanzlichen Nahrung zu verzeichnen ist. Auch Holzwurzeln, die abgeweidet (Detritus) oder auch zerfasert werden scheinen zur Nahrung zu gehören und sollten im Becken vorhanden sein.

Die Vertreter der Brackwasserarten konnten im Aquarium bisher nicht nachgezogen werden, da die Aufzucht der Larven in Brack- oder Seewasser erfolgen muß und die Ernährung ungeklärt ist. Von den Süßwasserarten ist nur die Vermehrung der europäischen Arten bekannt.

Am häufigsten im Handel werden die Brackwasservertreter aus der Gruppe der Mangovekrabben angeboten. Sie sind recht anspruchslos.

Süßwassergarnelen:
Die wohl am häufigsten im Süßwasseraquarium gehaltenen Krebstiere sind die Süßwassergarnelen. Die Ernährung erfolgt entweder durch Jagd und Sammeln bei den Vertretern mit "einfachen" Scheren (Macrobranchium, Microbranchium, alle Vertreter der Palämonidä), oder durch Filtrieren bzw. Abweiden eines Untergrundes bei den Vertretern mit befächerten Scheren (Atya, Atyopsis, Caridina).

Hierbei finden wir die größeren Vertreter bei den nicht filtrierenden Garnelen der Gattung Macrobranchium, die bis zu 30 cm erreichen können. In dieser Größe erbeuten sie problemlos kleine und mittlere Fische, so daß die gleichen Vorsichtsmaßregeln wie für die Flußkrebse gelten.

Im Gegensatz zu den Flußkrebsen benötigen die Garnelen aber weniger Kalk im Wasser, evtl. da sie ihre abgelegte Haut nach der Häutung teilweise oder ganz verzehren, wenn das Wasser sehr weich ist. Dagegen stellen gerade die Süßwassergarnelen höhere Ansprüche an die Wasserbelastung. Sie legen Wert auf sehr sauberes Wasser, das frei von Nitrit und Nitrat ist, andernfalls kommt es zu Häutungsschwierigkeiten, die zum Tode führen können. Die Temperaturen können sich zwischen 20 und 30 Grad bewegen.

Für Fächergarnelen ist es anzuraten, daß man ihnen den natürlichen Gegebenheiten entsprechend einen Sitzplatz in der Stömung bietet, an dem sie die Fächer zum Filtrieren des Wassers aufspannen können.
Bei großen Arten, oder solchen mit großen Scheren, sollte für jedes Tier ein Versteckplatz vorhanden sein, auch hier gilt, daß es schwierig ist mehrere Männchen zu vergesellschaften. Die filtrierenden Arten bereiten hierbei keine Probleme.

Als Futter nehmen die Tiere alles begierig an, wobei bei den filtrierenden Arten auf eine geringe Futtergröße geachtet werden muß.

Die Zucht gelingt nur bei wenigen Arten regelmäßig, hierbei sind v.a. die Vertreter der Gattung Caridina zu nennen, die wenige große Eier legen und bei denen die Aufzucht der Jungen keine Probleme bereitet. Die Fächergarnelen der Gattung Atyopsis machen ein obligatorisches Brack- oder Seewasserstadium durch. So konnten einzelne Zuchterfoge oder Teilerfolge nur mit einem Überführen der Larven in Brack- oder Seewasser erzielt werden (u.a. Hunte 1979 in Gortzytza 1990).
Bei den Vertretern der Palämonidae gibt es unterschiedliche Zuchtberichte. Gortzytza (1990) schaffte nur ein Jungtier in Brackwasser durch das Larvalstadium zu bringen. Die Ernährung der Jungtiere kann analog zu der von Artemianauplien, also mit Schwebealgen oder Mikrozell erfolgen.
Rasch (1991) beschreibt die Nachzucht von Macrobranchium lar dagegen als problemlos, die Larven nehmen ab dem dritten Tag frische Artemia-Nauplien und können in reinem Süßwasser aufgezogen werden.

Regelmäßig im Handel finden wir kleinere Arten aus der Familie der Palämonidae (Glasgarnelen), die sich im Aquarium als sehr haltbar erweisen. Die größeren und evtl. leichter züchtbaren (?) Arten sind leider seltener im Angebot, erfordern aber tw. ein Artenbecken zur Haltung. Regelmäßig findet man auch die kleinen Rotschwanzgarnelen der Gattung Caridina, die sich auch im Gesellschaftsbecken mit nicht zu dichtem Besatz vermehren lassen. Die Fächergarnelen der Gattungen Atya und Atyopsis werden ebenfalls oft angeboten, lassen sich aber nur schwierig züchten. Sie sollten mit feinem Lebendfutter ernährt werden oder in ein alteingerichtetes Becken mit Mulm und Algenbestand eingesetzt werden.

Literatur: