Kugelfische im Süßwasseraquarium V1.2

Wenn man sich in der Literatur umsieht zum Thema Kugelfische, so liest man meist, daß es im Süßwasseraquarium nicht möglich ist Kugelfische über einen längeren Zeitraum zu halten. Sieht man sich aber dann in den anschließend aufgeführten Kugelfischarten um, so fällt ins Auge, daß die meisten aufgeführten Arten zumindest für begrenzte Zeiträume sehr wohl mit Süßwasser vorlieb nehmen. Deshalb möchte ich mich hier etwas ausführlicher mit den Kugelfischen beschäftigen.

Im Gegensatz zu anderen Fischen liegen bei den Kugelfischen die Antriebsorgane in den Pectoralen (Brustflossen), der Dorsalen (Rückenflosse) und der Analen (Afterflosse). Die Art des Schwimmens, die sich hiermit ergibt hat komische Elemente und läßt sich am einfachsten mit dem Begriff "propellern" beschreiben. Die Zähne der Kugelfische sind zu zwei oberen und zwei unteren Gebißleisten zusammengewachsen, die von einem starken Muskelapparat wie eine Zange bewegt werden können.

Die Tiere können sich bei Beunruhigung aufblähen, d.h. sie pumpen ihren Magen entweder mit Wasser (Unterwasser) voll, oder mit Luft (an der Wasseroberfläche). Damit schützen sie sich durch eine Vergrößerung des Durchmessers vor Fressfeinden, die auf die eigentliche Größe abgezielt haben. Außerdem ist die Haut der meisten Arten mit kleinen Stacheln besetzt, die bei einer marinen Art Namensgebend ist (Igelfisch). Der Körper ist allgemein gedrungen und mit einer lederartigen Haut bedeckt.
Diese kann in Einzelfällen (Igelfisch) mit scharfkantigen Schuppen bedeckt sein. Das Gebiß wird wie eine Zange zum Zerknacken von Muscheln und Schneckenhäusern verwendet, die in der freien Natur die Hauptnahrung dieser Fische darstellen dürften.
Im Allgemeinen wird ein kräftiges Lebendfutter benötigt, doch darf es nicht zu beweglich sein, da alle Kugelfische keine guten Schwimmer sind! Manche Kugelfische lehnen z.B. Schnecken als Nahrung komplett ab!

Und hier sind wir auch schon bei dem hauptsächlichen Kaufgrund, der für die meisten Anschaffungen von Kugelfischen verantwortlich ist: die Beseitigung von Schnecken. Das dies eine symptomatische Behandlung eines Problems ist, das meist schon mit weniger Futter gelöst ist, sei hier nur am Rande erwähnt. Wenn aber nach der Anschaffung des Kugelfisches innerhalb von wenigen Tagen das Schneckenproblem gelöst ist, geht das nächste Problem los: woher nehme ich weitere Schnecken für die artgerechte Ernährung? Entweder diese werden in einem anderen Becken gezüchtet, oder man weicht auf anderes möglichst hartschaliges Futter aus. Die meisten Kugelfische nehmen zwar auch problemlos Frostfutter und einige auch Trockenfutter, aber bei einer reinen weichen Kost wachsen ihre Kieferplatten, die den Beißapparat bilden, im Laufe der Zeit so weit, daß sich die Tiere fast nicht mehr ernähren können. Die Kieferplatten müssen, genau wie die Krallen von Katzen, ständig abgenutzt werden, oder sie müssen künstlich beschnitten werden, was bei Kugelfischen deutlich schwierig ausfällt (aber schon mehrfach durchgeführt wurde).

Bevor man sich einen Kugelfisch anschafft sollte auch immer bedacht werden, daß die meisten Arten entweder untereinander, oder auch gegen andere Arten sehr unverträglich sind. Für das Gesellschaftsbecken sind sie also eigentlich nicht geeignet, und damit stellt sich die Frage, warum man lange nach den selten im Handel zu findenden reinen Süßwasserarten suchen soll, wenn man sie sowieso im Artenbecken halten will? Da würden dann doch auch die regelmäßig angebotenen Brackwasserarten reichen, die gelegentlich mal, z.B. zum Schneckenfressen ins Süßwasserbecken gesetzt werden.

Die Wasserverhältnisse für in reinem Süßwasser zu haltende Kugelfische sollten für die meisten Arten im neutralen pH-Bereich bei etwa 8 bis 15 Härtegraden liegen. Als Temperaturbereich können 23-28 Grad als allgemeingültig angenommen werden.

Als Futter werden neben Schnecken von den meisten Tieren auch Bachflohkrebse, und andere hartschalige Futtertiere genommen. An das übliche Frostfutter lassen sie sich in der Regel gewöhnen, einige Exemplare auch an Futtertabletten. Hartschalige Futtertiere gehören aber zum Muß des Speisezettels, da sich die Zahnleisten sonst nicht abnutzen können. Sie sind gierige Fresser, die sich den Magen bis zur Oberkante füllen, so daß wöchentliche Fastentage die Regel sein sollten. Pflanzen werden zwar oft an- oder abgebissen, aber nicht gefressen.
Setzt man einen Kugelfisch zur Schneckenbekämpfung in ein Becken, so muß man daran denken, daß er aus großen Schneckenhäusern die Schnecke oft nur unvollständig herausbekommt, so daß Reste unter Umständen zu einer Verschlechterung der Wasserwerte führen können.

Die Zucht ist möglich und bei den reinen Süßwasserarten zum Teil auch schon mit Regelmäßigkeit gelungen.
Hat man nun vielleicht ein paar Kugelfische eine Zeitlang zu deren Zufriedenheit gepflegt, können sich diese evtl. auch im Aquarium vermehren. Dabei kann es aber zu Komplikationen kommen, wenn andere Fische vom Kugelfischlaich fressen, da zumindest für See- und Brackwasserkugelfische eine Giftigkeit desselben nachgewiesen ist. Giftig sind außerdem manche inneren Organe (vor allem die Geschlechtsorgane), so daß ein unentdeckter Todesfall bei einem Kugelfisch durchaus den Besatz des gesamten Beckens kosten kann.

Artenliste:

Literatur: