Niedere Tiere im Süßwasseraquarium

Unter niederen Tieren versteht man alle Nicht-Wirbeltiere wie Schnecken, Krebse, Würmer etc. Der Begriff wird vor allem in der Seewasseraquaristik gebraucht, wo die niederen Tiere meist in Form von Korallen, Anemonen und Garnelen die Becken bevölkern. Doch auch im Süßwasser kommen niedere Tiere vor, die wir teils bewußt, teils unbewußt in unseren Becken beherbergen.

Ich möchte zunächst mit den Schnecken beginnen.
Die am häufigsten bewußt gehaltenen und größten Schnecken sind die Apfelschnecken der Gattung Ampullaria, die bei den aquaristisch relevanten Arten eine Größe von 12 cm erreichen können, meist aber deutlich kleiner bleiben. Die Tiere sind getrenntgeschlechtlich, so daß eine Vermehrung nur erfolgen kann, wenn man ein Paar erwirbt, oder ein bereits befruchtetes Weibchen. Die Eier werden bei den meisten Arten oberhalb des Wasserspiegels in einem Paket abgelegt und die Jungtiere schlüpfen nach 4-6 Wochen. Für die Aufzucht der Jungen ist bei weichem Wasser eine zusätzliche Gabe von Kalk nötig, damit die Tiere ihr Haus aufbauen können.
Weitaus seltener findet man die ebenfalls getrenntgeschlechtlich Paradiesschnecke Marisa rotula, die eine Größe von 7 cm erreichen kann. Sie legt ihre gallertigen Eierklumpen an Pflanzenblättern, Steinen oder den Aquarienscheiben ab. Als Nahrung sollte man dieser Schnecke unbedingt auch Salatblätter reichen, da sie sich sonst an den Aquarienpflanzen vergreifen kann.
Die wohl häufigsten Schnecken im Süßwasseraquarium sind die Posthornschnecken, die meist mit gekauften Wasserpflanzen eingeschleppt werden und eine Größe von 3 cm erreichen. Mit der Vermehrung dieser Tiere gibt es eigentlich nur das Problem, daß man sie gar nicht haben will, und sie sich trotzdem sehr stark vermehrt.
Wenig beachtet, aber sehr nützlich ist die Turmdeckelschnecke, die eine im Bodengrund versteckte Lebensweise bevorzugt. Hier liegt auch der große Nutzen dieser bis 4 cm langen Tiere: sie durchpflügen den Bodengrund und sorgen so dafür, daß Kot und Abfallstoffe eingearbeitet, und der Boden auch durchlüftet wird. Diese Schnecken sind lebendgebärend und manchmal ein sicherer Indikator für eine fällige Aquarienreinigung. Wenn die Schnecken nämlich den Boden verlassen, so hat sich das Milieu dort derartig verschlechtert, daß eine gründliche Bodenreinigung, und meist auch ein sofortiges überprüfen der Wasserwerte angezeigt ist.

Die anderen Schnecken, die sich gelegentlich in den Aquarien finden und meist in die Verwandtschaft der Spitzschlammschnecke Lymnea stagnalis gehören, werden meist, genau wie die Posthornschnecke, mit Pflanzen eingeschleppt und sind ebenfalls eher lästig. Eine Schneckenart im Aquarium zu haben empfiehlt sich aber fast immer, da sie eine gute Gesundheitspolizei abgeben, und sich sofort um die "Verwertung" eines unbemerkt verendeten Fisches kümmern. Auch zu Boden gefallenes Futter wird von ihnen dankbar angenommen. Geradezu unverzichtbar werden Schnecken in Aufzuchtaquarien für kleinste Jungfische, da diese meist übermäßig gefüttert werden müssen, und so auch stets sehr viel Futterreste übrig bleiben, derer sich die Schnecken annehmen.

Als nächste Gruppe möchte ich mich den Krebsen und Garnelen zuwenden.
Häufig in den Zoogeschäften zu finden sind die Glasgarnelen, verschiedene Arten aus den Gattungen Macrobranchium und Microbranchium. Die meisten der angebotenen Arten werden nur etwa 7 cm lang, einige können es aber auch auf 15 cm bringen. Bis auf wenige Ausnahmen lassen sich die Arten problemlos mit Fischen vergesellschaften, einige Macrobranchium-Arten sind aber auch als Kleinfischräuber bekannt geworden. Die Geschlechter lassen sich am sichersten an den deutlich größeren Scheren des ersten Beinpaares bei den Männchen erkennen. An die Zucht der Glasgarnelen sollten sich nur erfahrene Aquarianer wagen, da die Aufzucht der Jungen sehr aufwendig ist. Die erwachsenen Tiere sind meist den ganzen Tag auf der Suche nach verwertbarer Nahrung, wozu für sie Algen, Futterreste, abgestorbene Pflanzenblätter und tote Fische zählen. Ebenfalls regelmäßig zu finden sind die rötlich gestreiften Fächergarnelen aus der Gattung Atyoides, die in der Natur in schnell strömenden Flüssen und Bächen des afrikanischen und asiatischen Raumes vorkommen. Dort filtern sie mit ihrem zu Fächern umgestalteten 1. Beinpaar Schwebteilchen aus dem Wasser. Auch im Aquarium bevorzugen sie Stellen mit deutlicher Strömung. Ansonsten suchen sie den Bodengrund, Steine und Wurzeln nach Eßbarem ab und kümmern sich so auch effektiv um die Beseitigung von Futterresten. Leider ist die Nachzucht dieser schönen Garnelen im Aquarium noch nicht gelungen, da sie als Larven ins Meer wandern und die Ernährung der marinen Stadien nicht einfach ist.
In letzer Zeit seltener zu finden ist die kleine (bis 3 cm) blau-weiss-rote Zebragarnele (Caridina spec.). Sie ist absolut friedlich und läßt sich sicher vermehren, wenn keine zu großen und lebhaften Fische im gleichen Becken gehalten werden. Die Tiere wandern umher und sammeln mit ihren kleinen Scherenbeinchen ihre Nahrung ein, die aus Algen, Kleinstlebewesen und Futterresten besteht.

Wahre Prachtstücke für das Süßwasseraquarium, und Tiere, die der Farbenpracht den Seewassertieren in nichts nachstehen sind die Flußkrebse oder Süßwasserhummer (Procambarus clarcii), die überwiegend rot, nach der Häutung aber auch blau gefärbt sind. Die Tiere gehen gierig an alles angebotene Futter, wobei sie auch vor Aquarienpflanzen nicht halt machen. Größere Exemplare können sich auch an kleinen Fischen vergreifen, sie sind jedoch meist friedlich. Die Vermehrung im Aquarium ist möglich, jedoch an nicht zu hohe Temperaturen gebunden. Für die Aufzucht braucht man viel Platz, da sich die jungen Krebse kannibalisch verhalten und ihre frisch gehäuteten Geschwister verspeisen.
Als gut haltbar haben sich die kleinen als "rote Malawi-Krabben" oder "rote Thaikrabben" angebotenen Arten der Gattungen Potamon und Sesartna erwiesen, die allerdings einen Landplatz oberhalb des Wasserspiegels brauchen und sich als wahre Ausbruchskünstler erweisen können. Ebenfalls problemlos und auf einen "sonnigen trockenen Platz" angewiesen sind die in letzter Zeit öfter angebotenen Winkerkrabben, deren Männchen an der einen deutlich vergrößerten Schere zu erkennen sind. Als Futter nehmen diese Arten jegliche tierische und pflanzliche Nahrung, wobei man auf eine abwechslungsreiche Ernährung achten sollte, damit sie die Aquarienbepflanzung in Ruhe lassen. Da diese Tiere aber, mit Ausnahme der Vertreter der Gattung Potamon Brackwasserbewohner sind, darf man nicht mit einer erfolgreichen Nachzucht rechnen, auch wenn sie sich gut in reinem Süßwasser halten lassen.
Für alle Krebse und Garnelen gilt, daß sie eher hohe Ansprüche an die Sauberkeit des Wassers stellen. Bei erhöhten Nitrit- und Nitrat-Werten bekommen sie Probleme bei der Häutung oder haben sogar unter einer Verhärtung der Gelenkhäute zu leiden, die sie zu Bewegungslosigkeit und damit dem sicheren Hungertod verdammt.

Die Vertreter der Muscheln finden sich leider fast ausschließlich in den Kaltwasseraquarien, dort in der Regel mit der Malermuschel (Ilnio pictorum) vertreten. Wenn einmal tropische Muscheln erhältlich sind, so erweisen sie sich als recht hinfällig, da auch sie hohe Ansprüche an die Wasserwerte stellen, und außerdem als Filtrierer eine gesonderte Ernährung mit Feinstfutter benötigen, da in den meisten Aquarien durch die heutige Filtertechnik einfach zu wenig Schwebstoffe für ihre normale Ernährung im Wasser bleiben. Versuche mit der Haltung von Teich- oder Malermuscheln im Warmwasseraquarium haben unterschiedliche Ergebnisse erbracht, dem Interessierten seien diese Arten aber für ein wenig besetztes und schwach gefiltertes Becken durchaus empfohlen.

Als letzer Gruppe will ich mich nun den Tieren zuwenden, die wir eigentlich gar nicht in unseren Aquarien haben wollen, die sich aber trotzdem ab und zu einfinden. Zunächst seien hier die Süßwasserpolypen, "Hydra", genannt, von denen wir einige Arten verschiedener Gattungen gelegentlich mit Lebendfutter oder Aquarienpflanzen ins Aquarium bekommen. Meist sind sie nur Futterkonkurrenten, in Becken mit Jungfischen können sie aber auch diese zur Bereicherung ihres Speisezettels erlegen. Sie sind das einzige Pendant zu den tropischen Anemonen und Korallen, das wir in unseren Süßwasserbecken entdecken können. Als nächstes wären noch die Plattwürmer oder Planarien angeführt, die wir ab und zu an den Aquarienscheiben entdecken können, kleine Gesellen, die nicht weiter stören, außer, daß sie sehr schwer zu beseitigen sind, und sich mit Vorliebe über Fischeier hermachen, also wenn einmal vorhanden, der Tod jeder zufälligen Nachzucht sind. Oft wird empfohlen Hydra, Planarien oder auch unliebsame Schnecken mit chemischen Mitteln auf der Basis von Kupfer-Ionen zu bekämpfen. Bei einer solchen Behandlung ist zu bedenken, daß davon alle (!) Schnecken betroffen sind und häufig auch empfindliche Fisch- und Pflanzenarten (bei Jungfischen gibt es fast immer Verluste) mit über den Jordan wandern, auch wenn die Hersteller etwas anderes behaupten. Nicht zu vergessen die in der Regel mühsam angesiedelte Bakterienfauna im eingefahrenen Filter.