Der schwarze Celebes-Halbschnäbler, Nomorhamphus liemi liemi, VOGT 1978

Die Halbschnäbler der Gattung Nomorhamphus faszinierten mich seit dem Expeditionsbericht von Dieter VOGT in der DATZ 1978. Als dann BEMBACH 1991 auch noch ein herrliches Farbbild von N. liemi liemi zeigte, war ich Feuer und Flamme, damals als Schüler sah ich zwar die ersten Tiere, aber die Haltungsbedingungen und der Preis ließen mich VOGT in seinem Artikel zustimmen, auch wenn er es anders meinte: Dieser Fisch wird teuer bezahlt.

Die Jahre vergingen, die Preise fielen, aber die von mir gesuchten N. l. liemi waren nicht zu haben (bis zur Literaturrecherche für diese Zeilen, war ich auch fest der Meinung, die schwarzen Halbschnäbler seien N. l. snijdersi...), bis ich in der Verkaufsanlage eines Vereinskollegen einen einzelnen Nomorhamphus-Mann mit blassen Flossen entdeckte. Als er mich dann auch noch auf die 6 Schautiere aufmerksam machte, war die alte Begeisterung wieder da. An den Flossen, besonders der Schwanzflosse konnte man eine deutliche Schwarzfärbung erkennen, wenn die Tiere auch insgesamt einen zwar sehr munteren, aber blassen Eindruck machten. Nach kurzer Überlegung sollte er mir 1,2 in der nächsten Woche vorbeibringen, und ich fuhr wieder nach Hause um das Becken vorzubereiten.

Sie sollten ein 35 L-Becken beziehen, das Estrich-Sand als Bodengrund, große Steine, eine ausladende Wurzel und einen schnell laufenden Schaumstoffinnenfilter als Ausstattung und Cryptocorynen, Echinodorus, Javafarn und Hornfarn als Bepflanzung bekam. Auf eine Heizung verzichtete ich, da die Tiere aus schnell fließenden Gebirgsbächen stammen, und man ihnen Temperaturen bis runter auf 15 Grad zumuten kann. Meine ungeheizten Becken haben Temperaturen von 19 - 24 Grad, im Sommer bis 30 Grad. Da auch Nachzuchten in normal beheizten Becken mit 26 Grad erzielt wurden, sah ich in dem Temperaturbereich keine Schwierigkeiten.

Die Wasserwerte, die in der Natur mit weich bis mittelhart und neutral bis leicht alkalisch angegeben wurden, versuchte ich mit einer Mischung aus Göttinger und Moringer Leitungswasser nachzuvollziehen.

Das einzige Problem, daß sich evtl. stellen würde, wäre die Futterversorgung, da sie nur aushilfsweise Flockenfutter nehmen, und vor allem auf Lebendfutter angewiesen sind. Für die Anfangszeit erhoffte ich mir genügend junge Platys zu haben, später mußte man sehen, wie man sie vom Verzehr der frischgeborenen eigenen Jungtiere abhielt. Um die natürliche Nahrung nachzuvollziehen, gab ich neben Mückenlarven, frisch wie gefroren, alles was ich an passenden Insekten erbeuten konnte, die schon erwähnten Jungfische, und auch, wie es HARTL für seine Fische tat, zerkleinertes Fischfleisch. Auf die in der Natur gewohnten Kaulquappen mußten die Tiere verzichten.

Es beeindruckt schon, was die Tiere dabei alles bewältigen! Selbst das mit ca. 5 cm deutlich kleinere Männchen nimmt ohne Zögern halbwüchsige Kellerasseln und ausgewachsene Stubenfliegen. Nachdem ich anfangs eher mäßig fütterte (wie ich dann später merkte...) intensivierte ich nach ca. vier Wochen die Futtergaben, woraufhin das anfänglich nur wenig größere der beiden Weibchen noch einen Wachstumsschub einlegte. Irgendwann begann es dann nicht mehr nur in der Länge, sondern vor allem in der Breite zu wachsen. Es endete in einem Zustand, den man am besten mit einer Kreuzung aus einem hochschwangeren Guppy-Weibchen und einem Hecht bezeichnet. Das Tier war mehr als doppelt so breit wie normal, vertilgte unglaubliche Futtermengen und ließ sich bezüglich des bevorstehenden Nachwuchses reichlich Zeit. Morgens bekamen die drei Tiere nun einen kompletten Würfel gefrorenen Mückenlarven, und nachmittags oder abends oft noch ein paar Wasserflöhe oder Mückenlarven als Frischkost.

Deutliche Wachstumsschübe aber ließen sich nur nach Verfütterung von Jungfischen und reichlicher Insektenkost verzeichnen.

Acht Wochen nach dem Erwerb der Tiere und eine Woche nach Erreichen des "Vor-dem-Platzen-Stehens" war es dann endlich soweit. Morgens machte ich einen 30%igen Wasserwechsel und gab 10 Jungplatys von ca. 1 cm Länge ins Becken. Entgegen der sonstigen Gewohnheiten wurden die Tiere aber nicht wie wild gejagt, sondern es wurde eher lustlos hinter ihnen hergeschwommen. Als ich abends wieder ins Becken sah, entdeckte ich hinter dem Filter einen Jungfisch, bei genauem Mustern des Beckens noch einen Zweiten. Die Beiden wanderten in ein Extra-Gefäß, und die verbleibenden Platys wurden gezählt: acht...

Mit gerade mal 10% Ausbeute aus dem ersten Wurf - die Weibchen werfen im Maximum 20 - 25 Junge (lt. HARTL) - bin ich jetzt schlauer und werde es in Zukunft vermeiden, daß sich ein weiteres Weibchen im Becken befindet. Zwar vertilgt auch das Männchen seine Jungen und auch das werfende Weibchen soll sich nach Ende des Geburtsvorganges an dem Freßgelage beteiligen, aber der dickste Fisch in meinem Becken war eindeutig das nicht-trächtige Weibchen! Da das Männchen aber wegen seiner Größe nicht "so viel Schaden" anrichten kann, und das Weibchen erst nach dem Geburtsvorgang damit anfängt, lautet für mich die Devise: Raus mit dem Rest... Das Männchen allerdings muß nach RIPBERGER (1981) im Becken bleiben, da das Weibchen ohne Balz seine Jungen nicht absetzen soll. Nach BOLLIG setzen die Weibchen die Jungen auch ohne Männchen ab. Wie auch immer, ich habe das andere Weibchen stets entfernt. Und bei der Jungfischzahl schreibt aber EVERS, daß N. l. liemi mit 2-5 Jungfischen wenig produktiv sein soll...
Meine Erfahrungen mit Weibchen von ca. 10 cm Länge ergaben als Maximum 12 Jungtiere, wobei bei hohen Wurfzahlen einige Exemplare mit Flossenfehlstellungen oder Bauchrutscher dabei waren. Die größten Weibchen, die ich bisher gesehen habe waren ca. 15 cm lang und vom "Normalvolumen" her doppelt so groß wie meine Tiere. Derartige Weibchen dürften problemlos Jungfischzahlen von 25 erreichen können.

Als erste Nahrung bot ich den 2 cm großen Jungen Artemia-Nauplien und kleinste Wasserflöhe. Weder das eine noch das andere wurde angenommen, die Tiere hielten sich auch überwiegend liegend am Boden auf. Ab dem nächsten Tag wurde aber auch beim Futter zugelangt, nur waren sie noch deutlich schüchterner als ihre Eltern. Da Jungfische mit Lebendfutter schneller wachsen und ich meinen Süßwassernadeln sowieso immer mit Lebendfutter versorgen muß, wanderten sie nach der Eingewöhnungswoche in das Becken zu den Süßwassernadeln und hatten damit Platz und Futter, aber auch Nahrungskonkurrenten...



Literatur: