Die Pastellgrundel

Es gibt Fische, die wollte man immer haben, nur hat man sich zurückgehalten, aus dem einen oder anderen Grund.
Bei der Pastellgrundel und mir war dies, daß die Fischlein entweder zu teuer waren, ich kein passendes Becken zur Verfügung hatte, oder wenn Preis und Becken stimmten, dann hatten einfach alle anderen diesen Fisch auch, und damit war er uninteressant. Also vergingen seit dem ersten Blickkontakt zwischen uns gute 12 Jahre...

Seit einiger Zeit pflegt niemand in meinem Bekanntenkreis diesen auffälligen Fisch, ich habe eigentlich immer ein oder zwei Becken frei oder wenig besetzt (wenn man das bei 12 L-Becken noch sagen kann). Als ich dann meine Süßwassernadeln erwarb, schwammen drei Becken weiter auch noch zwei Pärchen der Pastellgrundel zu einem, im Vergleich zu den Nadeln, geringen Preis.

Die hübschen Tiere, die auf den wissenschaftlichen Namen Tateurndina ocellicauda NICHOLS 1955 hören und deren Beschreibung ich mir erspare und auf ein Buch verweise, werden in der Natur gute 6 cm lang, bei Nachzuchten oft nur um die 4 cm. Die Tiere nehmen bereitwillig Lebend- und Frostfutter in geeigneter Größe an, wobei geeignet für eine Grundel eher klein ist. Im Umgang miteinander und mit anderen Aquarieninsassen sind die Pastellgrundeln überaus friedlich. Um andere Arten kümmern sie sich schlichtweg gar nicht, wenn nicht ein Männchen sein Gelege bewacht. Untereinander neigen sie dazu Reviere abzustecken und die Männchen bekommen sich nur vor der Fortpflanzung einmal richtig "in die Flossen".

Bei mir bezog ein Pärchen ein Becken mit Basaltsplit, einer kleinen Moorkienwurzel und etwas Hornkraut, das andere teilte sich ein Becken mit halbwüchsigen Zwergflußkrebsen (Cambarellus shouffeldtii) und, in den ersten Tagen, 1,1,2 Metallkärpflingen (Girardinus metallicus). Außer Quartzsand war in dem Becken noch ein Busch Javamoos und etwas Hornkraut.

Beide Becken waren ungeheizt und entbehrten auch sonst jeglicher Technik. Lediglich eine Werkstattlampe befand sich über jeweils drei nebeneinanderstehenden Becken.

Da die Tiere zwar bezüglich der Wasserwerte ziemlich anspruchslos sind, aber weiches und um den Neutralpunkt liegendes Wasser bevorzugen kamen sie bei mir in "importiertes" Göttinger Leitungswasser mit dGH 6 und pH 6,8. Die Temperatur lag bei 21 bis 24 Grad wobei die Schwankungen eher im Wochen- als im Tagesverlauf erfolgten. Für die Zucht hat sich nach Literaturangaben eine Maximaltemperatur von unter 26 Grad bewährt, so daß ich auch mit meinen ungeheizten Becken auf Erfolg hoffte.

Als Futter bot ich den Tieren was ich konnte, da sie oft kein Flockenfutter nehmen war dies entsprechend Frostfutter (Cyclops, rote Mückenlarven) und alles, was sie an Lebendfutter akzeptierten (Wasserflöhe, Cyclops, Artemia-Nauplien, Mückenlarven aller Farben und Grindal). So rundeten sich langsam die Bäuche und ich konnte auf Nachwuchs hoffen.

Für das Ablaichen, das stets nachts erfolgt, werden in verschiedenen Berichten unterschiedliche Angaben gemacht. So laichen sie in einem Bericht auf dem Bodensubstrat, in einem anderen an einer senkrechten Silikonfuge (tat eines meiner Pärchen bereits im Händlerbecken), wieder andere laichten auf der Oberfläche eines Steins, die nächsten an einer Höhlendecke. Am häufigsten werden vertikale Röhren genannt, wobei dann gleichzeitig angebotene Höhlen nicht angenommen werden. Wie paßt nun alles zusammen?
Wenn man sich die Fundortbeschreibungen von STAECK anschaut (schnell fließende Flüsse mit entsprechend vielen Steinen) würde ich die Vermutung äußern, daß bei Höhlen oder Röhren (sind ja auch eine Form von Höhle!) eher der Abstand zwischen Boden und Decke als die Form der Behausung eine Rolle spielt. Wichtig ist für die Tiere vermutlich eher die Strömungsarmut in der Höhle bei geringer Höhlengröße, so würden die Tiere in strömungsfreien Becken also auch der Bodengrund oder eine Steinoberfläche in Frage kommen. Die Wahl von senkrechten Silikonfugen kann ich allerdings auch nicht ansatzweise erklären.

Aus den bis zu 250 Eiern schlüpfen die Larven bei entsprechend niedrigen Temperaturen, und damit normaler Entwicklung, nach ca. 8 bis 10 Tagen ziemlich simultan, bei höheren Temperaturen weiter zeitlich versetzt, und nehmen schon vom ersten Tage an frischgeschlüpfte Artemia-Nauplien. Sie sind auffallend schnellwüchsig, färben sich jedoch erst bei einer Größe von über 2 cm in der arttypischen Art und Weise aus.

Bei mir ergaben sich die ersten Probleme aber schon viel früher: glaich nach der ersten Nacht hatte ich ein Tier weniger, und nach der nächsten Nacht war auch das andere Pärchen hinüber. Das verbleibende Männchen aber erfreute sich bester Gesundheit und wedelte mit allen Flossen. Da der Händler sich aber bei mir gemeldet hatte, daß er noch ein fünftes Tier entdeckt hatte, stattete ich ihm einen erneuten Besuch ab und nahm das letzte Tier, zum Glück ein Weibchen, mit.

Schon kurz nach ihrem Einsetzen stürzten sich beiden auf die frischen weißen Mückenlarven - ein besseres Mittel für Laichansatz kenne ich kaum.

Nun wollen wir mal sehen, ob ich dem Zyklus der Popularität diesmal ausnahmsweise voranschwimme, oder ob die Pastellgrundel nach der anfänglichen Popularität den Gang aller Grundeln gegangen ist und sich in die Aquarien der Spezialisten zurückgezogen hat.

Literatur: