Nicht Fleisch nicht Fisch

So könnte man beschreiben, was ein Schlammspringer am ehesten ist. Zoologisch gehört die Unterfamilie der Schlammspringer, Periophthamlinae, zu den Fischen, aber wenn man sie an Land herumhüpfen sieht möchte man dies nicht glauben.

Die im allgemeinen 10-30 cm erreichenden Tiere können sich mit ihren gestielten Brustflossen wie mit einfachen Beinen auf dem feuchten Land vorrobben und mit dem kräftigen Schwanz auch in großen Sprüngen einem Feind auf dem Landweg entkommen. über Wasser sind sie auch in der Lage durch die stark kapillarisierten Wände der Kiemenhöhle der Luft ausreichend Sauerstoff zu entziehen. Dieses ist so effektiv, daß sie auch unter Wasser nicht darauf verzichten und etwa fünfminütlich zum Luftholen an die Oberfläche kommen.

In der Natur leben die Tiere in Rudeln, dabei beansprucht jedes Tier sein eigenes Revier um die selbstgebuddelte Wohnhöhle herum. Diese werden meist im Gebiet des oberen Meeres-Tiedenhubs angelegt, aber auch in Brackwasserlagunen. In Süßwasserbereiche dringen die Tiere nur kurzzeitig während der Nahrungssuche ein, wobei auch dort meist noch eine meßbare Salinität vorliegt.

Die Schlammspringer sitzen in Ruhe meist mit aus dem Wasser ragendem Kopf und im Wasser befindlichen Schwanz. Dabei beobachten sie die Umgebung sehr intensiv mittels der hervorstehenden, auch einzeln beweglichen Augen. Zur Nahrungsaufnahme suchen sie an Land und nehmen dabei Algen, Kleinkrebse, Würmer, ja sie jagen sogar nach Insekten. Dabei bewegen sie sich mit den gestielten Brustflossen robbend vorwärts oder Springen mittels des sehr muskulösen Schwanzes. Wenn sie sich längere Zeit auf einem Fleck niederlassen, gibt es Arten, die sich dann mit den bei einigen Arten zusammengewachsenen Bauchflossen am Untergrund festhalten. Wenn die Tiere dabei in der Natur oder in naturnahen Behältern sind, wird entweder die Schwanzflosse im Wasser sein, oder der Ruheplatz ist dazu geeignet, sich instantan ins Wasser fallen zu laßen.

Für die Haltung in Gefangenschaft werden meist die Arten der Gattung Periophthalmus importiert, eine genaue Bestimmung ist jedoch bei den über 600 Arten an Schlammspringern ziemlich schwierig. Die Mehrzahl der importierten Tiere wird als P. barbarus (LINNAEUS, 1766) angesprochen.

Die erste Grundregel für eine erfolgreiche Haltung ist eine ausreichend große Grundfläche. Meist weiß man ja beim Kauf noch nicht, wie groß die Tiere werden, und bei fünf Tieren, die ausgewachsen 30 cm messen, muß man schon mit zwei Quadratmetern rechnen. In der Natur würden diese mindestens das fünffache beanspruchen! Außerdem findet man, wenn sich die Tiere in der Natur außerhalb ihrer Wohnreviere aufhalten sehr oft ein ausgeprägt aggressives Verhalten, bei dem bevorzugte Ruheplätze durch kurze Aggression erobert werden. Verteidigen kann so einen Ruheplatz allerdings kaum ein Schlammspringer auf Dauer, so daß ein häufiger Wechsel einsetzt...

Der Boden muß abschüssig angelegt sein, und sollte an der Oberfläche eine feine Struktur aufweisen, z.B. Quartzsand. Füllt man aber das gesamte Becken mit Quarzsand, so kommt es in den Bereichen mit höherer Auffüllung unweigerlich zu Wasserstagnation und Fäulnisbildung. Diese wäre zwar "natürlich", aber im Aquarium nicht kontrollierbar. Also muß man in der Regel zu einem geschichteten Aufbau greifen. Zuunterst kommt Blähton, darüber grober Kies, dann mittlerer und abschließend feiner Sand. Unnötig zu sagen, daß man diese Schichtung bei einer Reinigung komplett vergessen kann und einen Großteil des Materials entsorgen darf. Zur Stabilisierung des unbedingt nötigen Gefälles kann mit Steinen und Steinholz gearbeitet werden. Auch sollten durch Sichtbarrieren verschiedene Reviere vorgegeben werden.

Auf eine Bepflanzung muß man in der Regel verzichten, da die wenigsten Pflanzen salzresistent sind. Versuchen kann man es im Wasserteil mit Cryptocoryne ciliata. Im Landbereich empfiehlt sich ein Anbringen von Rankpflanzen im Bereich der Rückwand, die in angeklebten Töpfen sitzen. Scindapsus soll dabei auch Luftwuzeln in das Brackwasser wachsen laßen, was bei der Entfernung von Stoffwechselprodukten hilft. Wichtig für einen guten Pflanzenwuchs im Luftteil und auch für die naturnahe Haltung der Schlammspringer ist eine hohe Lufttemperatur und Luftfeuchte. Die Werte sollten bei mindestens 26 Grad und 80% liegen, aber höher ist besser. Um dies zu erreichen, und um die Kletterkünstler am Entweichen zu hindern ist eine dichte Abschließung der Deckscheiben unverzichtbar.

Als Futter kommt fast alles in Frage, die Tiere nehmen im Becken wachsende Algen, Flockenfutter, Frostfutter und jagen auch gierig hinter Bachflohkrebsen und Grillen hinterher. Dabei ist zu beachten, daß eine Futterstelle von allen Revieren zu erreichen sein muß, oder es muß in jedem Revier getrennt gefüttert werden.

Eine Vergesellschaftung mit anderen Brackwassertieren ist möglich, auf dem Landteil bieten sich dafür Winkerkrabben an, beim Wasserteil wird es schon schwieriger, da man meist nur eine geringe Wasserhöhe hat. In Frage kämen Regenbogenfische, verschiedene Grundeln wie Goldringelgrundeln oder Rittergrundeln, bei großen Behältern auch ein Schützenfisch. Will man es mit Brackwasserkugelfischen versuchen, so sollte man auf verträgliche Arten achten.

Da die Tiere zur Fortpflanzung auf ihre 50-100 cm tiefen Wohnröhren angewiesen sind, ist mit einer Fortpflanzung in Gefangenschaft - auch in Zoologischen Instituten - wohl auf absehbare Zeit nicht zu rechnen. In der Natur ist die Balz schon mehrfach beobachtet worden und die Tiere treiben auch Brutpflege, also bleibt die Quintessenz: es sind intereßante Pfleglinge, die, wenn man die Mühen des Spezialbeckens auf sich nimmt, ausdauernd sind und ihre anfängliche Scheu bald überwinden, ja teilweise sogar aus der Hand fressen. Die größte dokumentierte Haltungsdauer betrug bei adult importierten Exemplaren immerhin fünf Jahre.

Literatur: